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Im Schwarzwaldbote erschien am 7. Mai 2014 folgender Bericht in der Ausgabe für Freudenstadt:

Schwarzwälder Bote | 7. Mai 2014


 Zur ersten barrierefreien Stadtführung in Freudenstadt kamen Sehbehinderte und Blinde aus Freudenstadt, Baiersbronn und dem Horber Raum. Unser Bild zeigt sie zusammen mit Friedrich Volpp (rechts), der die Führungen anbietet. Foto

Eine neunköpfige Gruppe fröhlicher Menschen, einer davon im Rollstuhl, sieben mit Langstöcken und ein Blindenführhung.

Mit Stock und Rollstuhl Stadt erkunden

Friedrich Volpp startet erste Führung für Menschen mit eingeschränkter Mobilität / Auch Lernen gehört dazu

Von Bärbel Altendorf-Jehle

Freudenstadt. Jetzt gibt es auch in Freudenstadt barrierefreie Stadtführungen. Sie richten sich an Menschen mit eingeschränkter Mobilität und an Senioren. Von Mai bis Oktober gibt es dieses Angebot an jedem ersten Dienstag im Monat.

Treffpunkt ist jeweils um 10 Uhr am Busparkplatz auf dem unteren Marktplatz. Das Besondere an diesen Führungen: Friedrich Volpp leitet sie, und er selbst ist zwischenzeitlich auch auf einen Rollstuhl angewiesen.

Die Bürgeraktion hatte die Idee zu solchen Führungen und diesbezüglich im Gemeinderat nachgefragt. Sie hatte gleichzeitig Friedrich Volpp von den Freien Wählern als kompetenten Stadtführer für diese Aufgabe vorgeschlagen. Gerade auch, weil er persönlich betroffen ist. Volpp nahm die Idee dankbar auf, denn eigentlich, so bekennt er, „wollte ich das schon immer machen“.

Dass er der richtige Mann am richtigen Platz ist, merkt man sofort: Er kann plaudern, weiß viel über die Geschichte Freudenstadts, verzichtet auf trockene Jahreszahlen und widmet sich eher den menschlichen Geschichten, die sich hinter politischen Ereignissen verbergen. Er lässt seine Teilnehmer auf angenehme Art spüren, dass er für sie Zeit hat. „Wir können nicht pünktlich anfangen“, erklärt Volpp. „Bis die angekündigten Gäste vom Bahnhof herunterkommen, das dauert seine Zeit. Mit dem Rollstuhl oder dem Blindenstock

ist man einfach nicht so schnell.“

Dann sind alle da. Unter ihnen auch Hartmut Gerst von der allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenhilfe, Regionalgruppe Neckar-Alb, der gekommen ist, um das neue Angebot in Freudenstadt zu testen. „Ich kann mit ihnen drei Stunden über den Marktplatz laufen und hätte immer noch nicht alles erzählt“, sagt Friedrich Volpp, macht es aber nicht, denn die Stadtführung soll zweierlei erfüllen. Zum einen, den Teilnehmern Freudenstadt näher bringen. Zum anderen setzt sich Volpp mit den Teilnehmern noch auf eine Bank oder in ein Café am Marktplatz und diskutiert mit ihnen darüber, wie Freudenstadt behindertenfreundlicher gemacht werden kann. „Ich möchte Ihre Erfahrungen an den Gemeinderat weitergeben. Nur so erreichen wir Verbesserungen.“ Erst als Volpp selbst auf den Rollstuhl – zumindest teilweise – angewiesen war, merkte, mit welchen Hindernissen Menschen mit Handicap fertig werden müssen. „Ich selbst, der Gemeinderat und die Verwaltung sollen von Ihren Erfahrungen lernen“, sagt der Stadtführer zu seiner Gruppe.

Dieses Lernen beginnt für Friedrich Volpp gleich bei der ersten Führung am gestrigen Dienstag, als er darauf aufmerksam gemacht wird, dass es Blinden nichts nützt, wenn er von da und dort spricht. „Es ist besser, Sie sagen, in meiner Sprechrichtung oder rechts oder links von meiner Sprechrichtung ist das oder jenes Gebäude“, erklärt Horst Macho aus Baiersbronn. Er ist Rehabilitationslehrer für Blinde und Sehbehinderte und in der Sehhilfenberatung tätig. Volpp nimmt den Hinweis gerne auf. Er war noch nie mit Sehbehinderten und Blinden unterwegs, macht es dann aber so gut, dass ein Mann aus dem Horber Raum gleich eine weitere Führung für eine größerer Gruppe von Blinden bei ihm bucht. „Kann man daran auch eine kleine Wanderung anfügen?“, fragt er. Da muss Friedrich Volpp dann doch zufrieden schmunzeln, denn genau das will er, Rollstuhlfahrern, Blinden und anderweitig gehandicapten Menschen die vielen schönen ebenen Wander- und Spazierwege rund um Freudenstadt nahebringen.

„Wie wäre es mit einem Spaziergang durch den Teuchelwald ins Waldcafé?“, schlägt Friedrich Volpp vor, denn er hat Zeit für seine Gäste und macht es gerne.

 
 
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