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Zollern-Alb-Kurier | 27.06.2012


„Im Ertasten sind wir einfach gut”

Ein erfolgreicher Modellversuch: Blinde und Sehbehinderte töpfern an der VHS Balingen

Blinde beim Töpfern

Nachdem die Tonformen vorgebrannt wurden, ist nun das Glasieren dran. Zusammen mit Marita Bürmann-Eigler (Mitte), die das Projekt ins Leben gerufen hatte, fertigten Ines Wünsche (links) und Suse Abele nur mit ihren Händen und ohne etwas zu sehen die verschiedensten Objekte. Foto Benno Schlagenhauf

Vasen, Schalen, Krüge, selbst filigrane Tierfiguren und Rosen: Der Kreativität beim Töpfern bei der VHS Balingen sind keine Grenzen gesetzt. Das Besondere: Es sind Blinde, die diese Werke vollbringen.

BENNOSCHLAGENHAUF

Balingen. „Unsere Absicht war, etwas anzubieten, das man als Blinder normalerweise gar nicht machen kann”, erklärt Harald Eigler, der selbst stark sehbehindert ist,dieEntstehungsgeschichtezum TöpferkursfürBlinde.

Geformt werden die Tonobjekte unter der Anleitung von Dozentin Maria Stautz, deren Ehemann blind ist. „Sie hat also einen direkten Bezug und weiß genau, wie sie mit Blinden umgehen muss”, weiß Eigler, Leiter der Kreisgruppe Zollernalb der Allgemeinen Blindenund Sehbehindertenhilfe. Dieser Verein ist landesweit aktiv und in Orts- und Kreisgruppen aufgeteilt. Zur Zollernalb-Kreisgruppe gehören momentan rund 70 Mitglieder. „Wir versuchen stets, die Umwelt möglichst barrierefrei zu gestalten, im Moment sind wir an der Kreuzung am Mediamarkt in Albstadt dran”,so Eigler.

Seine Ehefrau Marita Bürmann- Eigler hatte das Projekt für die Gruppe ins Leben gerufen und bei der VHS Balingen wegen der Räumlichkeitenangefragt.

Ottmar Erath, Leiter der VHS, sagte sofort zu: „Ichhabemichsehr über das Interesse gefreut, das Projekt entspricht unserem Anspruch, ein möglichst breites Angebot zu schaffen – für alle Menschen.” Eigler lobt die schnelle und einfache Abwicklung: „Das lief fast ohne Bürokratie, uns wurde beinahe der rote Teppich ausgerollt, dafür sind wir sehr dankbar.” Auch bei der AOK Neckaralb, die den Verein finanziell unterstützt hatte, bedanktsichEigler.

Die Töpfergruppe war rasch ausgebucht, da das Angebot auf sechs Plätze limitiert war. „Wir hätten auch locker fünf bis zehn Leute mehr untergebracht, aber wir wollten in einer kleinen Runde bleiben, damit jeder etwas davon hat”, erklärt Eigler. Aufgrund der hervorragenden Resonanz plant er schon weitere Projekte. „Das soll hier heute nicht unser letztes Treffen gewesen sein”, blickt er voraus. Auch Erath kann sich eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen. DernächsteTerminsoll,lautEigler, imHerbstfolgen.

Ideen gibt es schon zuhauf: „Ich könnte mir etwas in den Bereichen Gesundheit und Informatik vorstellen”, schlägt Erath vor und Eigler stimmt zu: „OhnePCgeht heute nichts mehr.” Das Interesse hierfür ist bei den Blinden da. „Ich würde gerne auch über das Internet bestellen können”, wünscht sich Christina Blocher, die an den drei Töpfernachmittagen unter anderem eine sehr filigrane Rose gefertigt hat, die sicherlich so mancher Sehende nicht hinbekommen hätte. „Ich hätte nie gedacht, dassman so etwas machen kann, auch die Gemeinschaftwartoll”, meint Suse Abele, die eine Katze und zahlreicheKrügeundSchalengeformthat. „Das ist eine kreative Sache mit den Händen, und im Ertasten sind wir einfach gut”, erklärt Eigler die ungeahnten Fähigkeiten, die im Atelier zu Tage traten. Und das weitestgehend von ganz alleine, wie Dozentin Stautz weiß: „Anfangs musste man noch etwas nachhelfen, aber dann lief alles sehr selbstständig.” Wichtig bei den zukünftigen Projekten ist dem Kreisgruppenleiter vor allem das Miteinander der Menschen mit und ohne Handicap. „Anstatt Integration wollen wir Inklusion, da haben beide Seiten etwas davon. Für die Blinden ergeben sich neue Möglichkeiten und gesunde Menschen können ganz einfach soziale Kompetenzen erwerben.” Daher könnte sich VHS-Chef Erath vorstellen, die hauseigene Freiwilligen- Agenturzunutzen.

Info

Wer mehr über die Blinden- und Sehbehindertenhilfe erfahren möchte kann dies auf der Homepage www.abs-hilfe.de oder telefonisch unter07427/4660375tun.

Letzte Aktualisierung 01.04.2013  |  © 2018 Allgemeine Blinden und Sehbehindertenhilfe e.V. (ABSH e.V.)   |   Design TS Fromme, IT
 

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