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Zollern-Alb-Kurier | 21.11.2011


König Fußball mit Sichtweite null

Blindenfußball: Zwei Bundesligisten demonstrieren anspruchsvollen Sport

FRANK D. ENGELHARDT

Balingen. „Meine Sportler müs-sen Topleistung bringen”, meint Ansgar Lipecki, „denn so ein Spiel ist psychisch unglaublich anstrengend.” Der Sportlehrer weiß ganz genau, wovon er spricht, denn er trainiert eine der wenigen Teams, die derzeit in der Blin-denfußball-Bundesliga antreten.

Im Rahmen der Fachmesse „Weiter-Sehen”, die sich an blinde und sehbehinderte Menschen richtet, legten die Mannschaften vom PSV Köln und der SG Mainz-Würzburg ein ungewöhnliches Spiel aufs Parkett. Allen Feldspielern gemein ist, dass sie buch-stäblich im Dunkeln wandeln. Denn zugelassen sind nur Blinde im Sinne des höchsten Schweregrads B1. Etwaige Unterschiede werden durch Augenbinden ausgeglichen, die absolut lichtundurchlässig sind. „Wer im Alltag mit einer Restsehstärke von zehn Prozent einen auch noch so kleinenVorteil hat, verliert ihn auf dem Spielfeld – hier wird nur nach dem Gehör gespielt”,erklärtLipecki, der die Mannschaft der SG Mainz Würzburg unter seinen Fittichen hat.

Zimperlich dürfen die Fußbal-ler nicht sein, denn Zusammenstöße mit dem Gegner und der Bande sind an der Tagesordnung. „Die Spieler müssen sehr viel Mut und Koordinationsfähigkeit haben”, bemerkt der SG-Coach, bei weitem nicht jeder würde sich für diesen Sport eignen. Was der Sportlehrer damit meint, erfahren die Zuschauer mit eigenen Augen. Die vier Feldspieler agieren auf dem Spielfeld hochmotiviert und engagiert, jagen dem im Inneren mit Rasseln versehenen Ball furchtlos hinterher. Nur dessen Geräusch sowie die Anweisungen der Guides dienen den Protagonisten als Orientierungshilfe. Neben dem Trainer an der Bande ist ein weiteres Teammitglied hinter dem eigenen Tor positioniert.

„Die Akustik in so einer Halle hat ihre Tücken, nicht jeder kommt damit gleich zurecht”, analysiert Lipecki in der Halbzeitpause. Die vier bis fünf Ligaspiele fänden allesamt im Freien statt, dazu kämen zwei bis drei Turniere im Jahr. „Wir haben nur selten die Mög-lichkeit zu solch einem Freund-schaftsspiel”, betont der Übungs-leiter und freut sich über die Erkenntnisse, die er aus der Begegnung gewinnt. „Eine Wettkampfsituation ist immer besser als nur Training.” Derzeit habe er acht Spieler in seinem Kader, mit vier Feldspielern und zwei Torwarten seien sie diesmal angereist. „Extra motivieren und einstellen musste ich meine Sportler nicht”, freute sich der Trainer über das Spiel.

Letzte Aktualisierung 16.04.2013  |   © 2018 Allgemeine Blinden und Sehbehindertenhilfe e.V. (ABSH e.V.)   |   Design Ruf-Dienst
 

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