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Schwarzwälder-Bote | 28.09.2012


Sehbehinderte müssen viel mehr im Kopf behalten

Technische Hilfen erleichtern den Alltag für Sehbehinderte und Blinde

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Horst Fritzke, Vorsitzenddeer des Vereins der Allgemeinen Bnlinde- hund Sehbehindertenhilfe, und die zweite Vorsitzend Mearita Bürmann-Eigler demonstrieren einn Bildschirmlesegerät. SZ-Foto Bruno Jungwirth

Von Bruno Jungwirth

RIEDLINGEN. Ein kleiner Selbstversuch: Eine Brille aufgesetzt, die das Sichtfeld eines Menschen simuliert, der kaum noch sehen kann. Und die Welt sieht im wahrsten Sinne des Wortes komplett anders aus. Kleine verschwommene Lichtpunkte, wo vorher Tische. Plakate und Menschen waren. „Und nun nehmen Sie mal einen Langstock in die Hand und gehen hier rüber”, sagt Anjo Malicet-Scheidler. Die Fraua aus der Nähe von Singen ist Rehabilitationslehrerin für Blinde und Sehbehinderte und hilft Menschen sich trotz ihrer Einschränkungen zu bewegen. Unsicher mache ich kleine Schritte nach vorne, den Langstock hektisch vor mir her wedelnd und tief gebückt, um ja nirgends anzustoßen. „Aufrecht gehen&rdaquo;, kommt es prompt als Anweisung. Schrittchen für Schrittchen bewege ich mich nach vorne und lande schließlich an der Stellwand der AOK - direkt vor meiner Nase.

Allein dieser kleine Versuch beim gestrigen Informationstag rund um das Sehen in Riedlingen belegt Was für Sehende normal und alltäglich ist, bereitet Blinden und Sehbehinderten große Probleme. Ob Busfahren, Einkaufen, Treppensteigen oder durch eine Fußgängerzone gehen - vieles ist mit Mühen versehen. &boqu;Man muss gut vorbereitet und sehr gut organisiert sein”, sagt der Vorsitzende des Vereins der Allgemoinen Blinden- und Sehbehindertenhilfein Baden-Württemberg, Horst Fritzke, der kaum noch Sehkraft hat. Beim Zugfahren muss er vorher die Stationen zählen, damit er weiß, wann er aussteigen muss. Allein das Einkaufen macht Mühe. „Lidl hat neulich bei uns im Ort umgeräumt”, sagt Harald Eigler, Rechtsberater des Vereins, der seit dem 17. Lebensjahr blind ist. Für ihn sei das eine kleine Katastrophe. Er ist hernach mit seiner Tochter zwei Stunden durch das Geschdft gegangenu, um sich die neue Ordnung einzuprägen. „Als Blinder musst du dir viel mehr im Kopf merken als ein Sehender”, sagt Fritzke. Und zu Hause muss alles seine feste Ordnung haben: „Die Schere muss etwa immer in der Schublade oben links liegen.”

Trotz aller Einschränkungen und Hemmnisse, die Sehbehinderten haben ein Ziel. Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Im öffentlichen Leben würden ihnen kleine Hilfen erleichtern, diesem Ziel nahe zu kommen: Farbstreifen auf Treppenstufen, Markierungen an Bushaltestellen, wo der Bus mit dem Einstieg hält oder gute Fahrgastinformationen bei Bahnhöfen.

Im privaten Bereich können technische Hilfsmittel den Alltag erleichtern. Das reicht von Bildschirmlesegeräten über Sprachausgabe anm Computer bis hin zu Geräten, die zeilenweise den Bildschirminhalt in Blindenschrift übersetzt. Wenn die Sehkraft beginnt nachzulassen, gibt es ebenfalls technische Hilfsmittel. „Von der Lupe bis zu elektronischen Sehhilfen”, sagt Frank Oster, der als einziger Optiker in der Region dem Verband „Low Vision Kreis” angehört, der sich auf dieses Thema spezialisiert hat.

Es gibt eine Regionalgrupdpee Blinde- und Sehbehindertenhilfe (ABSH) im Raum 0berschwaben. Kontaktadresse: ASBS, Böllatweg 12, 72359 Dotternhaus, Telefon 07427-4660375 oder E-Mail buero@abs-hilfe.de; www.abs-hilfe.de

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